New York mit Licht und Leben füllen.

Der Architekt Richard Meier über New York, die New York Five und was er in New York City heute anders machen würde.

interview: PATRICK KRAUSE

Richard Meier

studierte in Cornell und arbeitete bei Marcel Breuer, bevor er 1963 in New Jersey sein eigenes Büro eröffnete. Schon seine ersten Aufträge realisierte er als kubische, durchgehend weiße Privatgebäude. Weiß wurde – wie auch die Entwürfe seiner Kollegen aus den „New York Five“ – seine Erkennungsmarke. Mit Ausnahme des Getty Museums wurden fast alle Gebäude Meiers in Weiß realisiert, nicht immer kritiklos: teilweise gibt es Auflagen, die Gebäude in regelmäßigem Abstand neu zu streichen. Sein eigenes Wohnhaus, ein altes Farm-Haus in East Hampton auf Long Island, befreite er von der weißen Farbe und lässt seitdem das helle Braun der Schindeln wieder dominieren. Weitere bekannte Gebäude Meiers sind das Douglas House/Harbour Springs am Michigansee, das Athenäum in New Harmony/Indiana, in Deutschland das Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, das Ulmer Stadthaus, das Baden-Badener Museum Frieder Burda und das Arp-Museum in Remagen.

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Interview

QVEST: Herr Meier, Sie sind eines der Gründungsmitglieder der „New York Five“. Welchen Zweck hatte die Gründung?
Meier: Die „New York Five“ entstand aus Zufall. Wir diskutierten damals eine Menge über unsere Arbeit. Wichtig dafür war ein neutrales Umfeld, und wir suchten uns den Konferenzraum des Museum of Modern Art aus. Jeder durfte ein Projekt als Modell mitbringen, über das wir dann redeten – und jemand ließ einen Kassettenrekorder mitlaufen. Wir Fünf saßen dann noch irgendwo in der Nähe zum Lunch zusammen und stellten fest, dass es eine gute Idee war, zusammenzukommen – wegen der Ergebnisse der Diskussion. Deshalb meinte einer von uns, warum wir das nicht mal zu Papier bringen. Nichts Ausgearbeitetes, sondern nur Zeichnungen, die wir zur Veröffentlichung zusammentrugen. Das hat allerdings ein Jahr gedauert und war nicht mehr taufrisch, deshalb haben wir jeweils noch ein aktuelles Projekt hinzugefügt. John Hejduk meinte auf einmal, „Ich will Farbe!“, aber alle anderen wollten nur Schwarz und Weiß für den Druck. Dann fanden wir einen kleinen Verlag, der es veröffentlichen wollte, und der Rest ist Geschichte. Das „Manifest“ wurde ein sehr einflussreiches Buch. Dabei war es eigentlich nur für uns selbst, wir hätten nie gedacht, welche Wirkung es entfaltet.

Früher baute man in New York Wolkenkratzer, jetzt funktioniert jemand die High Line um, und es gibt großen Jubel. Wie haben sich in New York die Paradigmen verschoben?
Die High Line ist großartig, oder die Parks am Fluss, die jetzt rekultiviert werden. Ich glaube aber, dass es sich dabei um individuelle Beispiele handelt, die man nicht verallgemeinern kann. Wenn Sie hier aus dem Bürofenster schauen, sehen Sie das Empire State Building, und alle Gebäude drumherum vergisst man schnell wieder, denn sie sind Mittelmaß. Aber es gibt zwischendrin eben immer wieder Beispiele wunderbarer Architektur

Was denken Sie über die vorherrschende „Gentrification“ in New York?
Mein Gott, Nachbarschaften verändern sich nun mal. Jeder Teil der Stadt ist Gegenstand permanenter Veränderung, das ist kein Geheimnis. Die Lower East Side zum Beispiel stellt sich heute sehr anders als vor 25 Jahren dar, als man sich dort nicht hin traute. Ich kenne keine andere Stadt, die sich kontinuierlich so oft verändert wie Manhattan. Eines der Probleme sind die dünnen, hohen Gebäude, oder sagen wir der Maßstab: Nur weil man ein achtzigstöckiges Gebäude plant, bedeutet das nicht, dass die achtzig Stockwerke notwendig sind. Plötzlich stechen überall diese Nadeln in den Himmel, die meiner Ansicht nach nicht dem Maßstab dieser Stadt entsprechen. Wenn man an ihnen vorbeiläuft, sieht man nicht einmal mehr die Spitze. So betrachtet, verläuft nicht jede Entwicklung unbedingt zum Besseren hin.

Wie funktioniert New York? Was muss man beim Planen einbeziehen?
Für die Frage gibt es keine eindeutige Antwort. Da gegenüber, wo die Tankstelle ist, will man ein neues Gebäude heraufziehen. Wenn ich der Architekt wäre, gäbe es dort zum Beispiel keinen Platz, der macht hier an der 5th Avenue keinen Sinn – im Unterschied etwa zu der Situation von Mies van der Rohes und Philip Johnsons Seagram Building an der Park Avenue, wo das etwa 100 Fuß zur Straße zurückgesetzte Gebäude eine Plaza bildet, die dem Publikum einen wichtigen, offenen Raum anbietet. Alle, die dort arbeiten, können sich um das Gebäude herum wohlfühlen und haben im Gebäude selbst großartige Aussichten. Es ist immer eine Sache des Kontexts.

Welches sind für Sie die New Yorker Bausünden?
Och, da gibt es eine Menge ... Chicago hat großartige Architektur, (mit Blick auf die Ausgabe der QVEST Zürich) Zürich besitzt großartige Architektur, London, Paris, Rom sind so tolle Städte, weil ihre Architektur sie dazu gemacht hat. Was machen Touristen? Sie betrachten Architektur. Sie gehen vielleicht ins Museum, schauen sich aber auch die Architektur an. Das ist eine Art, die Stadt zu verstehen.

»Das „Erdgeschoss“ der Stadt ist der einzige Ort, wo Menschen anderen Menschen wirklich begegnen.«

Was halten Sie vom One World Tower?
Ach, das World Trade Center? Ich finde es schrecklich, aber das Gebäude ist nicht wichtig, sondern das Drumherum, die Symbolkraft. Unser Projekt sah sehr anders aus. Wir wollten keinen Wolkenkratzer, sondern mehrere Gebäude in einem, das eine öffentlichen Raum umschließt – da haben wir die Plaza wieder. Und wesentlich niedriger, die haben das ja wieder so riesig machen müssen. Nochmal ein Wolkenkratzer auf Ground Zero ist vollkommen unnötig.

Sie haben noch bei Marcel Breuer studiert, Sie haben sicher ein Lieblingsmöbel von ihm?
Ich habe ein Stück in meinem Haus auf Long Island, einer dieser braunen, hölzernen Lounge Chairs aus den dreißiger Jahren. Und den Grand Comfort LC1 von Le Corbusier, den kleineren. Den großen mag ich nicht.

Sie haben immer betont, dass Mies van der Rohe weniger zu Ihren Einflüssen gehört. Le Corbusier ist Ihnen immer noch wichtig?
Ich glaube, er war mir früher wichtiger. Ich schätze ihn hoch, aber heute sind es eher Louis Kahn, Alvar Aalto, Luis Barragán, viele. Aber wenn ich arbeite, denke ich nicht an andere Leute.

Herr Meier, danke für das Gespräch. Zum Schluss blättert Richard Meier noch in der Zürich-Ausgabe der QVEST und mokiert, dass wir keinen dieser „Zürich Cheese Fondues“ im Restaurantteil aufgeführt hätten ... er wolle demnächst die Stadt besuchen. Aah, er meint Raclette! Wir empfehlen ihm die „Kronenhalle“, auch wegen der dort aushängenden Giacomettis, Picassos und Chagalls.

»Weiß ist die schönste Farbe von allen, in Weiß betrachtet man alle Farben des Regenbogens. Das Weiße im Weiß ist niemals ganz Weiß; es wird fast immer vom Licht und dessen Veränderungen verwandelt; unter dem Himmel, den Wolken, der Sonne, dem Mond.“

Richard Meier Pritzker Award Acceptance speech excerpt

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