Leben zwischen Shaker und Flohmarkt

Auffällig und unprätentiös zugleich; das muss man erst einmal schaffen.Wie Muff in der Ledererstraße, eine der ersten Adressen Münchens für cooles Schmuckdesign. Muff ist längst eine überregional begehrte Marke, der Schweizer Goldschmied ist trotzdem auf dem Boden geblieben. 

interview: PATRICK KRAUSE, photography: RALPH BAIKER (INTERIORS)

Patrik Muff

(*1962) wuchs als Sohn von Kunsthandwerkern im schweizerischen Hochdorf auf. Schon in Kindheit und Jugend inspirierten ihn die Bildtafeln auf Luzerns berühmter Spreuerbrücke, die den Totentanz darstellen – der Totenkopf wurde Muffs späteres Wahrzeichen.

Während seiner Goldschmiedelehre und des Studiums der Freien Kunst in Köln feilte Patrik Muff weiter an seinem unverkennbaren Stil und setzte mit opulenten, detailreichen Entwürfen Gegensätze zum vorherrschenden Minimalismus der Branche. Dann zog es den „jungen Wilden der deutschen Schmuckszene“ per Wohnmobil mit eingebauter Werkbank in die Ferne. Gerade bis nach München schaffte er es, wo Muff sich verliebte, trennte, aber dann die Frau seines Lebens fand. Seine Begeisterung für Handwerk und Tradition verbindet Patrik Muff unter anderen mit der Marke Birkenstock und der Königlichen Porzellan Manufaktur Nymphenburg.

Interview

QVEST: Patrik, Du bist in München der Liebe wegen hängen geblieben ... welche weiteren Gründe hast Du mittlerweile entdeckt, die für München sprechen? 
Muff: Wir leben ein bisschen wie auf dem Campingplatz: Im Sommer kriechen alle Nachbarn aus ihren Löchern und versammeln sich gemeinsam zum Grillen. Dann ist jeden Abend Sommerfest und viel Röstaroma in der Luft. Könnte das auch woanders sein? Vermutlich schon. Aber irgendwie auch nicht.

Was ist an München total unter-/überschätzt?
Das Wohnen ist zu einem großen Problem geworden: Überall entstehen „exklusive“ Wohnblocks, die dann „Palais“ oder „Irgendwas Höfe“ heißen. Meist Geisterstädte, weil die Investoren in Russland oder Abu Dhabi leben. Studenten, Künstler und Rentner können sich Mieten in München nicht mehr leisten und ziehen weg. Ein trauriges Kapitel. Von Berlinern hört man ja gerne, dass München langweilig ist. Empfinde ich nicht so. Kommt womöglich daher, dass der Münchener an sich vielleicht eher bequem ist und sich’s abends lieber zu Hause oder bei Freunden gemütlich macht. Aber das Angebot wäre da und ist vielfältiger, als so mancher denkt...

Von wo sieht München am schönsten aus?
Ein bisschen steif, aber der Blick von der Blue Spa Terrasse im Bayerischen Hof ist wunderbar und schafft augenblicklich Urlaubsatmosphäre. Wer es nicht ganz so mondän mag, ist auf der Terrasse der TU im Vorhoelzer Forum gut platziert.

 

Dein Lieblings-Frühstücks- & Mittagstischbistro, -restaurant, Lieblingsbar / Club?
Der bekannteste Geheimtipp für den perfekten Mittagstisch ist Gott sei Dank bei uns ums Eck: Der Italiener Becco Fino – unprätentiös, schlicht, wenige Speisen, alle top. Abends gehen wir gerne asiatisch essen. Da sind das Cochinchina in Schwabing, oder das Spicery am Weißenburger Platz unsere Favoriten. Wir haben aber auch schon die Herbstferien auf eine Reise verzichtet und sind stattdessen von dem Geld mit unseren Kindern ins Tantris Essen gegangen, was für sie einen ebenso hohen Erlebniswert hatte.

An welchem München-Accessoire hängt man besonders?
Das Charivari (traditionell eine Schmuckkette an Trachtenanzügen) ist bei unseren Kunden wieder sehr populär geworden. Ich nenne es „das Bettelarmband für den Mann“. À la „Traditionen pflegen, Regeln brechen“ hängen wir gerne schon mal einen Schädel neben das Gamshorn...

Welche klassischen Möbel passen am besten zu München, welche stehen bei Dir zuhause?
Das ist ohne Zweifel die Bierbank. Individualisierbar für jeden Geschmack: Authentisch mit grünen Füßen oder schwarz und hochglanzlackiert.
Bei uns wird unterschieden: Für das Atelier trage ich bevorzugt alte Möbel, Kommoden und Vitrinen von Flohmärkten zusammen. Zu Hause ist eher meine Frau stilprägend: Möbel kommen bevorzugt von Shaker oder aus Skandinavien, manchmal mischt sich auch was Altes dazwischen, wenn es von uns beiden abgesegnet wurde...

 

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