Arbeit in Paris

Das Künstleratelier – ein Pariser Thema. Und Motiv für den amerikanischen
Helmut Newton-Schüler Mark Arbeit, das Atelier selbst zum Thema zu machen.
Seine Serie ‚Artists Atelier’ ist entsprechend ‚Made in Paris’ – wo auch sonst?

photography: MARK ARBEIT

Mark Arbeit

(*1953 in Chicago) war lange Studioassistent von Irving Penn und Helmut Newton, den er als seinen ‚Photoguru‘ bezeichnet. Nachdem er sein Studium auf Hawaii aufgenommen hatte, wechselte er mit 18 Jahren zum Art Center College of Design in Pasadena, wo er auf Newton traf. Nach seiner Assistenz bei Irving Penn in New York begann er in Mailand eine Karriere als Modefotograf, bis er nach Paris ging, wo er eine Gruppe mit dem Namen ‚The Cauldron‘ gründete, die einfach zum Programm machte, Dinge zu fotografieren, die bisher noch nie gemacht wurden: wie eine Blume im Hintergrund, deren Figurine von einem Aktmodell im Vordergrund imitiert wird. Seine zweite Serie dieser Arbeit ist ‚Artitsts Ateliers’, aus der diese Motive stammen.

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Mark Arbeit
500,00 €
 

Wenn eine Stadt der Welt bekannt ist für ihre Ateliers, dann ist es unzweifelhaft Paris. Sie hat der Kunst seit den Zwanziger Jahren so viel Raum gegeben, dass ihr Stadtbild ohne die zahlreichen, zum Himmel gerichteten Glasfassaden nicht das Gleiche wäre. Denn „bei einem Künstleratelier (Maler, Fotografen, Modedesignern etc.) ist eine gute Belichtung mit Tageslicht von ausschlaggebender Bedeutung“, wie schon Wikipedia weiß; „daher werden häufig nach Norden ausgerichtete Dachateliers genutzt, wodurch sich ein gleichmäßiger Lichteinfall ergibt.“ Und, für den Online-Brockhaus fast schon eine erstaunliche Wertung: „Das Atelier ist häufig nicht nur Ort für die Produktion, sondern oft auch für die Selbstinszenierung des Künstlers”, von Begegnungen, Atelierfesten, Vernissagen und Partys bis zur Wahl des Ateliers als Bildmotiv; eine Art Stillleben und Selbstportrait auf der Meta-Ebene, wenn man so will. In der Tat verfolgt Mark Arbeits Arbeit eine lange Tradition, in der die Arbeitsstätte des Künstlers selbst das Motiv darstellt. Eine Ausdrucksform, die schon bei Vermeer im 17. Jahrhundert vorkommt und sich bis zu den in Paris tätigen Künstlern Picasso und Modigliani bis in die Moderne fortsetzt – mit einem speziellen Twist.

»Der einzige Faktor, durch den die Fotografien einen Zeitbezug erkennen ließen, war die Art, wie die Modelle ihr Schamhaar beschnitten hatten«

Mark Arbeit erinnert sich an das Making-of der Serie in den Achtziger Jahren: „Die Serie ‚Künstleratelier’ verbindet Architektur, Plastik/Malerei und den weiblichen Akt. Die Idee war dabei, eine Balance zwischen diesen drei Themen herzustellen, keines sollte mehr Gewicht bekommen als das andere. Aus diesem Grund platzierte ich das Modell mehr im Hintergrund, da mir klar war, dass sie der Anziehungspunkt für den Blick des Betrachters sein würde. Häufig wandte sie ihr Gesicht ab, so dass der Betrachter sich auf ihre Form konzentrieren würde, nicht auf ihre Persönlichkeit. Ich verlangte von den Modellen, dass sie sich kaum schminkten oder gar kein Make-up trugen, um ihnen eine möglichst zeitlose Qualität zu verleihen. Der einzige Faktor, durch den die Fotografien einen Zeitbezug erkennen ließen, war die Art, wie die Modelle ihr Schamhaar beschnitten hatten.

Ich kam immer zwei, drei Stunden vor dem Modell an, um den Raum vorzubereiten. Ich wählte die beste Perspektive, aus der ich das ganze Atelier einfangen konnte, setzte meine Kamera aufs Stativ und arrangierte die Gemälde, Werkzeuge und Plastiken, bis ich ein gefälliges und ungekünstelt wirkendes Gesamtbild vor mir hatte. Das Modell bewegte sich durch den Raum, bis das Gefühl der Ausgeglichenheit zwischen ihm und den vorhandenen Elementen entstand. Die Belichtungszeit war aufgrund der kleinen Blendenöffnung, durch die alles scharf wird, ausnahmslos lang. Dann näherte ich mich mit einer zweiten, tragbaren Kamera dem Modell, um zu zeigen, wie gut das Nordlicht seine Körperformen hervorhob. Ich hatte das Glück, dass mich die meisten Künstler allein arbeiten ließen. Wenn sie bleiben und zusehen wollten, waren sie mehr als willkommen, und gewöhnlich halfen sie mir, die großen Skulpturen oder Leinwände zu bewegen. Einmal stand ein Künstler bei den Aufnahmen hinter mir und feuerte uns an: ‚Oh, ja! Das ist sehr gut! Wunderbar!’“

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