Aus Vaters Freisinger Werkstatt in die Welt

STEFAN DIEZ ist jung und trotzdem nicht mehr das, was man einen »Jungdesigner« nennen könnte; im Kölner Museum für Angewandte Kunst hatte er bereits eine umfassende Einzelausstellung. Dort treffen wir ihn: cool, unprätentiös und »leider keine Zeit, Jungs. Nur Fotos, ich muss weiter.« Das war vor drei Wochen. Kurz vor Redaktionsschluss kamen dann Antworten – aus dem Zug.

 

interview: PATRICK KRAUSE, photography: MATHIAS SCHMITT 

Stefan Diez

(*1971) Der Industriedesigner lernte schon in der Freisinger Schreinerwerkstatt seines Vaters, studierte anschließend Architektur und ging dann dann ein Jahr nach Indien, wo er Möbel entwarf und baute. 1998 war er Assistent von Richard Sapper, danach bis 2002 in München für den Designer Konstantin Grcic. Seit 2003 ist Diez selbständig. Die Ausstellung „Full House – Design by Stefan Diez“ (im Hintergrund, MAKK 2017) ist Diez’ erste Einzelausstellung.

Interview

Wie sähe München aus, wenn Sie dafür als blanke Vorlage einen Designauftrag bekämen?
Ich würde mir so ein Projekt oder auch nur eine einfache Antwort nicht anmaßen. Dinge sind komplex, und bei vielem kommt es auf die Perspektive an. Ich würde mir zum Beispiel viel weniger Autos in der Stadt wünschen: Mich ärgert der Dreck, der durch die Pendler verursacht wird, die am Wochenende in ihren viel billigeren Häusern mit Garten vor der Stadt wohnen. Es gab in München mal eine Atelier-Ordnung. So viel ich weiß, musste bei jedem Neubau auch Raum für Künstler und Handwerker geschaffen werden. Das wäre vielleicht wieder nötig, um eine gute Mischung zu erhalten.

Welches Design-Accessoire fehlt der Stadt?
Keines. Vor allem keines, das nach Design aussieht...

Zwischen Must-Go und Geheimtipp: Welche Adressen können Sie in puncto Münchener Design besonders empfehlen?
Das Magazin in den Fünf Höfen betreiben sehr nette Leute, und AmbienteDirect hat vieles zum Anfassen in einer großen Ausstellung. Dann kann man natürlich noch bei Muji vorbeischauen, der Museumsshop des Deutschen Museums ist toll, die neuen Werkstätten beim „Hotel Bayerischer Hof“ um die Ecke, Haltbar und Schwittenberg für Mode und Accessoires finde ich super. Manches Spezielle bekommt man nur bei Manufactum, da gibt es auch das vielleicht beste Brot in München.

 

An welchem typischen München-Accessoire hängt man besonders?
An der Breze.

Ihre geheime(n) Lieblingsecke(n) und warum?
Oft geh ich an die Isar, entweder gleich vor unserem Atelier zwischen Fraunhofer und Humboldt-Brücke, an den Flacher oder zum Deutschen Museum an den Kabelsteg. Da ist die Isar am städtischsten. Tagsüber zum Sonnen oder Lesen, abends in Ruhe auf ein Bier, das man sich von einem der Radhändler besorgen lassen kann.

Der München-Geheimtipp, der nicht im Reiseführer steht?
Seit kurzem hat Sandra Forster zusammen mit Freunden den Club BLITZ am Deutschen Museum aufgemacht. Dort steht die vielleicht beste Musikanlage überhaupt, die DJs sind fast immer internationale Schwergewichte. Vorher kann man dort mexikanisch-vegetarisch essen gehen, im Sommer dabei draußen im Garten auf die Isar schauen.

INTERVIEW

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Auffällig und unprätentiös zugleich; das muss man erst einmal schaffen.

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